Dienstag, 27. Juli 2010

Loveparade oder Die Parade der Toten

Massentaumel
Am vergangenen Wochenende wollte Duisburg eine "coole" Stadt sein. Als eine der Städte der Kulturhauptstadtregion Ruhrgebiet ließ sie sich darauf ein, eine Massenfeier wie die Loveparade organisisren zu lassen, ohne dafür das geeignete Gelände liefern zu können oder zu wollen. Schließlich endete die fröhliche Feierei in Tragödie, mit zur Zeit 20 Toten.

WIe man in verschiedenen Tageszeitungen lesen konnte, war das Fest von Anfang an vom Chaos gekennzeichnet. So berichtet ein Augenzeuge, der glücklicherweise nicht zum Opfer geworden war, im Berliner Tagesspiegel, wie sich die Lage auf dem alten Güterbahnhof zuspitzte. Ein Opfer, das gerade so mit dem Leben davongekommen ist, schildert seine Erfahrungen in Der Welt, so daß es einem nur so schaudert. Aber letztlich ist das Geschehnis eine logische Folge schlechter Organisation und Voraussicht der Behörden, war doch nach jüngsten Informationen der Duisburger Bürgermeister bereits im Vorfeld auf die Gefahren der Veranstaltung hingewiesen worden. Allerdings hätte die Polizei aber die Sache nicht dem Bürgermeister alleine überlassen sollen, was sie dem Anschein nach durchblicken läßt, sondern sie hätte die Sache selbst in die Hand nehmen müssen, statt sich auf Befehlsgehorsam zu beschränken. Bürokratie geht eben vor Vernunft.

Massenpanik
Im Unterschied zu früheren Liebesparaden - und ich frage mich, was Technomusik mit Liebe zu tun hat - war in Duisburg kein Platz für solche Massenansammlungen teils betrunkener, teil zugekiffter und zugedröhnter Liebhaber des Dauerschüttelns im monotonen Rumsdaklang, während in anderen Städten wenigstens Raum war für das Ausschwärmen in öffentlichen Parks, die man problemlos zupinkeln, vollkotzen und zertrampeln konnte, während manche sich der Liebe im einfachsten Sinne des Wortes hingaben.

Nichtsdestotrotz: So verkommen auch das Feierverhalten mancher sein mag, verdienen sie nicht, im Massentaumel erdrückt und zertreten zu werden. Die Massenpanik ist halt nicht vorhersehbar, jedoch weiß man, daß diese nur noch den Überlebensinstinkt wachhält, auch wenn dieser das Leben kostet, denn Nächstenliebe und geordnetes Verhalten intelligenter und gut erzogener Menschen ist im heutigen Deutschland (wie fast überall auf der Welt) nicht mehr zu erwarten. Alles rennt am Ende los wie eine Horde wildgewordener Büffel. Und das ist halt auch die Kultur von heute, die einer wildgewordenen Büffelhorde.

Der hierzu erschienene Artikel von Eva Hermann trifft den Nagel auf den Kopf. Man sollte die Wirklichkeit nicht durch gutmenschiges Heulsusengeplärre vernebeln. In Deutschland ist es heute gefährlich, die Dinge bei ihrem Namen zu nennen und ein Ereignis wie die Loveparade zu analysieren. Was nützt das Gejammere um die Toten der Veranstaltung, wenn man nicht die eigentlichen Probleme sieht?

Massenliebe
Massen sind unkontrollierbar, das sollte jede Polizeieinheit zuerst bedenken. Dazu kommt, daß uns Politiker regieren, die weder Gemeinsinn und  den Willen haben noch die Eignung aufweisen, ihren Aufgaben gerecht zu werden.

Die Kritiklosigkeit vieler ist beschämend. Traurige Ereignisse machen nicht eine Veranstaltung und ihre Teilnehmer zu Engeln, sondern sollten aufrütteln und zur Besinnung mahnen. Die Toten sind natürlich nicht schuld am Desaster, sondern die Verantwortlichen der Organisation, die Stadt und die Polizei, die die Gefahren nicht gesehen haben oder nicht sehen wollten. Zur Kultur gehört auch die Fähigkeit, gut zu planen, aber Deutschland und die Deutschen haben keine Kultur mehr, das fängt schon bei der Sprache an, und wer nicht mehr geordnet denken, sprechen und schreiben kann, der kann auch nicht planen und geordnet handeln. Sprachliches und bildungspolitisches Chaos ist der Anfang vom Ende einer Kulturgemeinschaft, was danach kommt, ist nur die Folge. Sodom und Gomorrha ist vielleicht nicht die exakte Bezeichnung, kommt dem Gesamtbild der Lage jedoch sehr nahe.

Eva Hermann hat treffend definiert, was die Loveparade wirklich ist. Die Toten sind nur eine Folge eines im Chaos versinkenden Landes ohne Kultur und ohne Ordnung irgendwelcher Art. Nur schade, daß Frau Hermann sich dem Druck der Gutmenschen beugt und um Entschuldigung bittet, hat sie doch nur die Wahrheit gesagt und sich nicht dem heulsusigen Kerzenanzünden angeschlossen. Man muß dem gutmenschigen Mob Parole bieten. Mit Krokodilstränen und Betroffenheitsgedusel sind die Probleme des Landes nicht zu lösen.

Von den Massen erdrückt
In Preußen hätte es das so nicht gegeben. Zu den preußischen Tugenden gehören die Disziplin und die Ordnung. Sich in Disziplin zu üben, ist die Voraussetzung, einer Massenpanik zuvorzukommen. Leider ist im Ruhrgebiet nicht mehr viel übrig von Preußen. Der Niedergang des Landes ist vor allem auch darauf zurückzuführen, daß es Preußen nicht mehr gibt. Die Siegermächte hatten das wohl im Auge, als sie den Staat Preußen per Dekret und entgegen dem Völkerrecht einfach auflösten und künstliche Bundesländer schufen. Nun haben wir den Salat: Ohne Preußen ist Deutschland nicht mehr überlebensfähig, die Gesellschaft löst sich im Multikultirausch auf, zerfällt und läßt sich im Betroffenheitstaumel der ihrer Gehirne beraubten Gutmenschen zu Haßsitzungen im Stil Orwells "1984" hinreißen, um gegen alle zu wettern, die es noch wagen, gegen den Zerfall der deutschen Gesellschaft die Stimme zu erheben. Bilderberg läßt grüßen.

Wollt Ihr es denn einfach nicht sehen? Deutschland ist am Ende. In der orwellschen Gesellschaft von "1984" bedeutet Liebe nur Haß, Tod und Zerstörung, Unfreiheit und Verfolgung. Da habt Ihr Eure Liebe. Wie heißt es doch, wenn die Liebe zerbricht: Es war schön, so lange sie hielt.



Eva Hermann: Sex- und Drogenorgie Loveparade

Zahlreiche Tote bei Sodom und Gomorrha in Duisburg 

Eine getroffene Analyse einer umstrittenen Journalistin.

Die Loveparade in Duisburg ist zu einem Sodom und Gomorrha mit katastrophalen Folgen geworden: Mindestens neunzehn Tote, über 340 Verletzte. Bei einer Massenpanik wurden die jungen Menschen zertrampelt, stürzten von meterhohen Gerüsten herunter, über die sie sich hatten retten wollen, sie fielen bewusstlos um und gingen in den wildgewordenen Massen unter. Zu Recht werden die Toten und Verletzten nun beklagt, ein derartiges Unglück hatte es noch nie zuvor gegeben. Der frischgebackene Bundespräsident Wulff stellte in einer eiligen Reaktion schon kurz darauf »bestürzt« fest, daß eine solche Katastrophe, die während eines friedlichen Festes fröhlicher junger Menschen aus vielen Ländern Tod, Leid und Schmerz verursacht, furchtbar sei. Friedliches Fest fröhlicher junger Leute? Wer die Loveparade kennt und wer der Berichterstattung am Samstagabend über mehrere Stunden im Fernsehen gefolgt ist, kommt allerdings zu einem völlig anderen Ergebnis:


Dieses »friedliche Fest fröhlicher junger Menschen« ist in Wahrheit eine riesige Drogen-, Alkohol- und Sexorgie, geplant, genehmigt und zum Teil finanziert von der Stadt Duisburg und NRW. Als handele es sich um eine Kulturveranstaltung auf höchstem Niveau, waren Politik und Medien, allen voran der öffentlich-rechtliche WDR, schon im Vorfeld um eine lückenlose Berichterstattung bemüht. Schließlich ist das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt 2010 geworden. Und die größte Tanzparty der Welt, die Loveparade, ist einer der absoluten Höhepunkte des Jahres! Stolz heißt es in den Vorankündigungen: »Die maximale Tongesamtleistung auf dem Gelände beträgt 750 000 Watt. Es handelt sich um eins der größten Beschallungssysteme, das je in Europa zum Einsatz kam.«

Doch was ist das in Wahrheit für eine »Kulturveranstaltung«? Wer sich die Bilder der Loveparades aus den zurückliegenden Jahren ansieht, glaubt, in der Verfilmung der letzten Tage gelandet zu sein, wie sie in der Bibel beschrieben werden. Viele der Partygäste wirken auch in diesem Jahr bereits lange vor dem Unglück wie ferngesteuert. Betrunken oder vollgekifft, mit glasigen Blicken, wiegen sich die dünn bekleideten Körper in rhythmischem Zucken wie in Trance.

Das ohrenbetäubende, stereotype Rave-Gehämmere, das nicht mehr im geringsten etwas mit dem einstmaligen Begriff von Musik zu tun hat, zerschmettert ihnen über zahllose Stunden Trommelfelle und Nervenkostüme. Doch das scheint den 1,4 Millionen Partygästen nichts auszumachen. Sie wußten, was sie erwartet, haben sich freiwillig dazu entschieden, hierher zu kommen. Viele Mädchen haben den Busen blank gezogen, manche sind fast völlig nackt. Sie wiegen sich in ekstatischer Verzückung im ohrenbetäubenden Lärm, Begriffe wie Sittlichkeit oder Anstand haben sich in den abgrundtiefen Baßschlägen in nichts aufgelöst.

BILD hatte im Internet schon lange zuvor getrommelt für die »geilste Party der Welt«! Und überträgt im Internet die Veranstaltung mit prominenten Moderatoren: Oliver Pocher und Lebensgefährtin Sandy Meyer-Wölden melden sich immer wieder aus dem »geilen Getümmel«, sie interviewen Promis wie die Klitschko-Brüder oder DSDS-»Stars«, und wollen diesem Sodom und Gomorrha damit das Flair einer »normalen Veranstaltung« verleihen. Viele anderen Medien wiederholen ständig das Motto der diesjährigen Loveparade: »The Art of Love«.

Nachdem die Ausmaße des Unglücks deutlich werden, sprechen die betroffen wirkenden Moderatoren dann gebetsmühlenartig davon, daß die jungen Leute doch ganz friedlich und nur unter dem Motto der Liebe zusammengekommen seien. Liebe? Oder Triebe? Man muß nicht ausgesprochen prüde sein, um sich hier nach kurzer Zeit mit Grausen abzuwenden. Riesige dunkle Wolken der Enthemmung und Entfesselung treiben über dem Geschehen, die jungen Menschen wirken, als hätten sie jegliche Selbstkontrolle abgegeben, ekstatisch und wie im Sog folgen sie dem finsteren Meister der sichtbaren Verführung.

Zudem, das wird auch schnell deutlich, birgt das »friedliche Fest fröhlicher, junger Menschen« in Wirklichkeit eine Menge Aggressionspotential. Der Alkohol und die Drogen wirken schnell, viele kommen bereits am Nachmittag in völlig verglastem Zustand an. Unkalkulierbar reagieren sie teilweise, als die Sicherheitskräfte eingreifen. Später wird sich herausstellen, daß an dem eingedrückten Zaun, an dem die »geilen Raver« (O-Ton BILD) von den Sicherheitskräften vorbeigeleitet werden sollten, die Wut sich entlud. Denn die Partygäste wollten sich eben nicht umleiten lassen, sondern sie wollten direkt und schnell Party machen, waren sie doch extra hergekommen, um so richtig die Sau rauszulassen. Die Polizei und die Sicherheitskräfte, die ihr bestes tun, werden von den Vollgedröhnten bepöbelt, beleidigt und angegriffen.

Das ist die Kehrseite der Medaille über die Loveparade, die laut dem neuen Bundespräsidenten Wulff ein »friedliches Fest fröhlicher, junger Menschen« sein sollte. Man fragt sich, welche Veranstaltung der Mann wirklich meint? Den Musikantenstadl vielleicht? Niemand wird jetzt natürlich, angesichts der Zahl von nahezu zwanzig Toten und den weiteren zahlreichen, zum Teil schwerverletzten jungen Leuten, über die entfesselten Auswüchse der »geilsten Party der Welt« berichten, die symbolisch doch nur für den kulturellen und geistigen Absturz einer ganzen Gesellschaft steht. Kritik an dieser Veranstaltung war schließlich auch schon in den letzten Jahren politisch unkorrekt. Denn wir alle, die Jungen wie die Alten, sind doch »total cool«, oder? Wir, die Älteren, wollen doch nicht etwa als verstaubt gelten, indem wir eine solch witzige, lässige, total tolerante Veranstaltung schlechtreden, oder? 

Im Ruhrguide, dem Online-Magazin des Ruhrgebiets, heißt es: Mit dem Motto »The Art of Love« stehen auch dieses Jahr alle Zeichen auf Liebe. Der ehemalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen, Vorsitzender der Geschäftsführung Ruhr.2010, betonte im Vorfeld die positive Auswirkung der Loveparade auf die Metropole Ruhr. Weiter heißt es: »Die massenhaften Pre- und Afterpartys, die wahrscheinlich das ganze Wochenende andauern, ergänzen, was an diesem Tag geschaffen wird: Eine riesige Party mit dem zwar inflationär gebrauchten, aber niemals zu vergessenen Wort Liebe.«

Selten wurde ein Begriff mehr durch den Dreck gezogen als bei der Loveparade. Man fragt sich verzweifelt, welche Definition von »Liebe« die jungen Menschen durch derartige und leider selbstverständlich gewordene Falschbezeichnungen für das eigentlich Schönste und Höchste in dieser Schöpfung erhalten müssen? Die unheilvollen Auswüchse der Jetztzeit sind, bei Licht betrachtet, vor allem das Ergebnis der Achtundsechziger, die die Gesellschaft »befreit« haben von allen Zwängen und Regeln, welche das »Individuum doch nur einengen«. Wer sich betrunken und mit Drogen vollgedröhnt die Kleider vom Leib reißt, wer die letzten Anstandsrnormen feiernd und tanzend einstürzen lässt, und wer dafür auch noch von den Trägern der Gesellschaft unterstützt wird, der ist nicht weit vom Abgrund entfernt. Die Achtundsechziger haben ganze Arbeit geleistet!

Viele sind durch das ausgeuferte Unglück ernüchtert und wach geworden, herausgerissen aus der falschen Traumwelt. Etliche der jungen Leute werden sich das nächste Mal genau überlegen, ob sie sich noch einmal auf eine solche »Massenparty« einlassen. Den Familien und Angehörigen der Toten gebührt tiefstes Beileid, sie haben schwerste Zeiten vor sich.

Für die Zukunft wurden jedoch Weichen gestellt: Denn das amtliche Ende der »geilsten Party der Welt«, der Loveparade, dürfte mit dem gestrigen Tag besiegelt worden sein! Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen! Grauenhaft allerdings, dass es erst zu einem solchen Unglück kommen musste.

Quelle: Kopp Online
Bilder (4): dpa

Sonntag, 6. Juni 2010

Gauck als Armutszeugnis der Bundesrepublik

Wenn man meint, in Deutschland sei man nicht zu noch pathetischeren Schritten fähig, um den Staat vollends zu ruinieren, dann ist das ein Irrtum.

Bei der Frage, wer denn jetzt neuer Bundespräsident werden soll, hat man nicht lange gefackelt und mehr oder weniger in einer fast privaten Runde die Kandidaten gekürt: CDU-CSU und FDP haben sich auf den niedersächsischen Ministerpräsidenten Wulf geeinigt, während man bei den Linken von SPD und Grünen keine bessere Idee hatte, als den ostdeutschen Joachim Gauck zu nominieren, der nach der Wende mehr schlecht als recht die mit Stasis durchsetzte Gauck-Behörde für die Aufarbeitung der Stasi-Akten geführt hatte. Damit stehen nun zwei Kandidaten für das unsinnigste Amt der Bundesrepublik zur Verfügung, die genauso profillos sind wie es fast alle Bundespräsidenten waren.

Nun hatte der Herr Gauck allerdings erst vor kurzem eine Feststellung getroffen, die ihn selbst für die Kandidatur untauglich macht:


Vielleicht ist er auch viel zu zynisch, um das einzugestehen, denn seine Behörde diente vor allem (wenn auch unbeabsichtigt) dazu, Stasi-Agenten zu ermöglichen, Akten verschwinden zu lassen, die doch für manche hohe Amtsträger sehr störend sein könnten.

Eigentlich hätte Gauck gar keine Aussichten, von der Bundesversammlung gewählt zu werden, da ja die christlich-liberale Koalition dort die Mehrheit hat, doch so leicht scheint es nicht zu sein, nachdem zuerst einige ostdeutsche Liberale und danach noch andere Politiker der Koalitionsparteien aus der Reihe getanzt sind und sich für Gauck ausgesprochen haben, ist es doch eine einmalige Gelegenheit, jetzt auch noch das oberste Staatsamt dem Osten in die Hände zu spielen.

Hinzu kommt, daß Gauck, wie er selbst bekannt hat, viel zu alt für solch ein Amt ist. Das sieht ja schon fast so aus wie im Vatikan, wo auch fast nur halb mumifizierte Kardinäle zum Zuge kommen, auch, wenn das nach dem Glaubensbekenntnis das Ergebnis göttlicher Eingebung ist. 

Ein moderner Staat sollte doch wenigstens in der Lage sein, seine Institutionen zu erneuern. Dazu gehört auch, einen Bundespräsidenten zu haben, der nicht durch Krieg und Diktaturen vorbelastet ist. Auch wenn Wulf nicht unbedingt ein besonderes Profil besitzt, so hat er wenigstens mehr Stil und mehr staatsmännisches Aussehen als ein ehemaliger Zonenkirchenbeamter.

Sollte Gauck das Rennen gewinnen, so wird die FDP keine Aussichten mehr haben, in den kommenden Wahlen im nächsten Jahr noch irgendwelche Sitze zu erlangen. Gerade von ihr hatte man erwartet, sie würde frischen Wind in die deutsche Politik bringen. In Wirklichkeit gibt es von ihr nur noch muffige Luft, vermischt mit dem Aroma der alten Trabbis und der Apparatschicks aus der Ostzone. Deutschland als Abwicklungsfall.

Donnerstag, 3. Juni 2010

Die mißlungene Republik


In Wirklichkeit hätte sich Deutschland niemals in eine Republik verwandeln dürfen. Niemand wollte sie und niemand hat für sie gestimmt. Das ist das grundlegende Problem, und es ist symptomatisch für das, was jetzt nach dem Rücktritt des Präsidenten* der Bundesrepublik geschehen ist. (*Christian Wulff)

Der Bundespräsident hat eigentlich auch gar nichts mit dem deutschen Volk zu tun, das ja bei seiner Wahl überhaupt nicht gefragt wird. Die Präsidenten werden hinter geschlossenen Türen unter mehr oder weniger vier Augen bestimmt.

Deutschland hat sich schon immer mit der direkten Demokratie schwergetan. Das Volk wird nie gefragt, man stellt es einfach vor vollendete Tatsachen, egal, ob es in der Ersten Republik oder einer der beiden zweiten Republiken war (wobei es sich erübrigt, von der östlichen der beiden zu sprechen).  Auch nach dem Anschluß des Gebiets der ehemaligen kommunistischen Diktatur Mitteldeutschlands (man darf nicht vergessen, daß das Grundgesetz mit der Beitrittsformel einfach übergangen wurde) hatten die deutschen Politiker nicht den Mut, einen neuen deutschen Staat auf neuen Grundlagen zu gründen, mit einer echten Verfassung und der Beteiligung der Bürger, die stets reinen Symbolcharakter gehabt hat. Nicht nur das, man verriet das Land und sein Volk, ohne Legitimierung für irgendwelche Verhandlungen über das Staatsgebiet aus der Zeit vor 1945.

Die Erste Republik wurde nach dem Ersten Weltkrieg  - einem Krieg, der wegen einer  Quimäre begonnen wurde und in einem europäischen Desaster endete -  bereits stark beschädigt gegründet. Sie kam eigentlich nur zustande, weil der deutsche Kaiser das Land sich selber überlies, ohne seinen Teil der Verantwortung zu übernehmen und ohne bereit zu sein, zu Gunsten des Kronprinzen abzudanken, um sich dann nur noch seiner Geliebten in einem niederländischen Schloß hinzugeben. Trotzdem dachte keiner daran, erst einmal einen Volksentscheid zu organisieren, während gleich mehrere exaltierte Linke die Republik ausriefen, ohne dazu legitimiert zu sein. Das erklärt vielleicht, daß man sich so wenig mit der Republik identifizierte, die nach knapp 50 Jahren der Abschaffung der Leibeigenschaft in Preußen eine kaum entwickelte Demokratie aufwies.

Nach dem nächsten Desaster, das vor allem der Nachlässigkeit der Opposition und den Politikern der verfassungstreuen Parteien im allgemeinen zuzuschreiben ist, nachdem die Wahlen von einer Partei gewonnen worden waren, die bereits angekündigt hatte, die Demokratie zerstören zu wollen, versuchte das Land, das nach dem Zusammenbruch und der mehrfachen Teilung übriggeblieben war, eine neue republikanische Übung im Westen, die anfangs von mutigen Männern gekennzeichnet war, die nach dem Verlust viel menschlichen Kapitals infolge eines sinnlosen Krieges ohne Siegesaussichten die Zügel des besetzten Landes in die Hand nahmen, ein Land, das von den alliierten Bomben zerstört und des gröißten Teils seines heute nur mäßig wiederhergestellten Kulturerbes  und 40 % seines Staatsgebietes entledigt worden war. Man versuchte also eine neue demokratische Übung mit zahlreichen Beschränkungen durch die Westalliierten und mit künstlichen Grenzen neu geschaffener Bundesländer, weshalb das neue Staatsgebilde nicht über Mechanismen verfügt, die eine stärkere Identität mit dem Staat fördern.

Der Bundespräsident ist nicht nur eine rein dekorative Institution ohne Macht und fast ohne Meinungsfreiheit. Er wird nicht vom Volk gewählt, damit sich nicht eine nichtvorhandene Erfahrung aus der Ersten Republik wiederhole (man bedenke, daß der Almzwerg über das Parlament und dank der nützlichen Idioten der damaligen konservativen Rechten an die Macht kam, während man heute die Geschichte verfälscht, indem man die Verantwortung für das Desaster dem Reichspräsidenten von Hindenburg in die Schuhe zu schieben versucht), sondern die Wahl des Präsidenten der Republik erfolgt über die Bundesversammlung, die sich aus Bundestag (Unterhaus) und Bundesrat (Oberhaus) sowie einigen zu diesem Zweck  gewählten Landtagsabgeordneten und neuerdings auch irgendwelchen frei bestimmten Bürgern zusammensetzt, die für dieses Wahltheater zusammentreten. Die Kandidaten waren immer Ergebnis eines Konsenses zwischen den parlamentarischen Gruppen, die die Mehrheit der Bundesversammlung in der Hand haben, die nur den Zweck hat, den Bundespräsidenten zu wählen.

Abgesehen von Theodor Heuss, dem ersten und wahrscheinlich besten der Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland, war Köhler vielleicht der am wenigsten sterile Präsident. Bedeutsam ist dabei auch, daß er Mitglied einer Volksgruppe ist, die langsam ausstirbt, denn er ist Sohn einer deutschen Familie aus dem nördlichen Bessarabien (früher Rumänien, heute Moldau), die infolge des Hitler-Stalin-Paktes aus ihrer Heimat vertrieben und dann 1942 in den besetzten Gebieten Polens zwangsangesiedelt wurde, um die Gegend mit Deutschen zu besiedeln. Dort wurde Köhler 1944 bei Lublin geboren, bis die Familie dann auch gleich wieder von den einfallenden russischen Truppen vertrieben wurde und sich in der sowjetischen Besatzungszone niederließ, aus der sie 1953 erneut fliehen mußte, um dann im westdeutschen Schwaben eine neue Heimat zu finden. Man könnte sagen, daß die Bundesrepublik so durch einen Mann vertreten wurde, der viel vom deutschen Volk weiß und versteht.

Sein Rücktritt läßt ein Deutschland erkennen, das in die absolute Dekandenz verfallen ist und dessen Bevölkerung sowohl ihre Identität als auch ihren nationalen Zusammenhalt verloren hat. Die mangelnde Achtung, die man den Institutionen und der eigenen Kultur und Sprache entgegenbringt, führen Deutschland auf einen gefährlichen Weg.  Die respektlosesten Politiker sind derzeit die Grünen, mit ihren geifernden Vertretern Trittin (ein frührerer Maoist der 68er), der Deutschtürke Özdemir (der vor einigen Jahren wegen Korruption gehen mußte, sich in Brüssel wieder politisch hocharbeitete und mit neuer Kraft und Frechheit erneut die grüne Tagespolitik mitbestimmt) oder dem implodierten Papageien Roth (der einzige Fall, der einen Burka rechtfertigen könnte). Und die SED-PDS-Die Linke hat sowieso keinen Respekt vor der Demokratie. Die Deutschen scheinen es nicht zu merken, aber Deutschland gehört schon längst nicht mehr den Deutschen.

Der Gesichtausdruck Köhlers während seiner Rücktrittsverkündung sprach Bände. Es handelt sich nicht nur um einen falsch ausgelegten Kommentar zu den militärischen EInsätzen im Ausland. Die Probleme liegen tiefer. Einen Großteil der Schuld trägt mit Sicherheit die Bundeskanzlerin Merkel, denn es ist ja schon eine ganze Reihe gewichtiger Vertreter ihrer Partei zurückgetreten, und ihre liberalen Koalitionspartner sind den Umständen nicht gewachsen, vertreten keine festen Grundsätze und stehen unter der  Fuchtel der Frau, die von einem bekannten Kabarettisten treffend als "Zonenwachtel" bezeichnet wird.

Die Republik leidet schon seit langem unter einem Stillstand. Das massive Ausschwärmen der früheren Zonendeutschen stellt einen weiteren Faktor der Auflösung des Landes dar. Die Beteiligung der Kommunisten aus dem Osten an allen Institutionen hat die Qualität der Demokratie verschlechtert, und mit ihnen haben sich Tausende von Stasis (Spione und Informanten des zonendeutschen Geheimdienstes) in die (west-)deutschen Institutionen eingefiltert, insbesondere dort, wo die Kommunisten mit den Sozialisten der SPD in Koalition regieren, zum Beispiel in Berlin. Die Stasi arbeitet weiter, in Rathäusern, in Sicherheitsunternehmen (Welch ein Zynismus!), einfach überall. Auch in Spanien - und wer es nicht glaubt, der schaue doch nur einmal, was nicht alles so in Kuba, Venezuela oder Bolivien passiert, denn nützliche idioten und gefährliche Drahtzieher gibt es überall.

Ein Ereignis wie der Rücktritt Köhlers wäre in einer Monarchie undenkbar. Dies ist gerade einer der großen Werte der monarchischen Institution, denn die Stabilität der Monarchie stärkt das Land und läßt es nicht in eine institutionellen Prekärlage geraten, welbst wenn andere Institutionen des Staates sehr viel zu wünschen übrig lassen.

Deutschland bleibt wenig Zeit zum Überleben als Nation und Kulturvolk. Vielleicht ist eine radikale Veränderung erforderlich. Deutschland aufzulösen und etwa in neun unabhängige Staaten zu unterteilen, um ungefähr den Zustand aus der Zeit vor 1871 wiederherzustellen, wäre kein schlechter Gedanke. Dem deutschen Volk würde das helfen, seine Identität wiederzufinden, und zwar die der historischen Länder. Aber das würde bedeuten, auch zur Monarchie zurückkehren zu müssen, und es sieht nicht danach aus, daß das deutsche Volk in der Lage wäre, soviel Vorstellungskraft und Kreativität zu zeigen. Es ist doch ein  Volk, das am Ende ist. Wie schade.

Dienstag, 18. Mai 2010

Beckmanns Monologe oder Die Selbstherrlichkeit eines unkultivierten Phrasendreschers

Reinhold Beckmann war noch nie ein Fernsehmoderator, der sich durch Sachkenntnis auszeichnet. Vor allem ist auffallend, daß er wohl noch nie etwas von Fallbeugung gehört hat, denn für ihn scheinen Genitiv, Dativ und Akkusativ das gleiche zu sein wie Nominativ. Das sagt schon viel über seine intellektuelle Qualität als Initiator und Leiter einer Fernsehgesprächsrunde aus.
Seine gestrige Sendung war wieder einmal ein Beweis für seinen Dilettantismus. Nicht nur, daß er kein richtiges Deutsch kann und sich bemüht, durch Einflechtung unnötiger Anglizismen so zu tun, als wäre er ganz modern, er will auch immer im Vordergrund stehen, indem er seine Sendung fast mehr als Monolog statt als Dialog führt.

Die Gäste versprachen eigentlich interessanten Stoff: Der Bundesminister für Verteidigung Karl Theodor zu Guttenberg, der bekannte deutsche Börsenfachmann Dirk Müller und der angesehene und kenntnisreiche Journalist Peter Scholl-Latour. Aber wie sich schnell herausstellte, war Beckmann nicht auf der Höhe der Umstände und verwandelte die Sendung in ein Wandgespräch mit zu Guttenberg, vermischt mit den monologartigen Vorgaben Beckmanns und einigen wenigen EInwürfen der anderen beiden Gäste, die eigentlich viel mehr zu sagen hatten.

So zielten auch die fast selbstbeantworteten Fragen Beckmanns mehr auf zu Guttenberg ab als auf einen Gedankenaustausch unter den vier Teilnehmern der Gesprächsrunde: Die Griechenland-Pleite. Der Koalitionskrach. Die geplatzten Steuersenkungspläne der Liberalen. Das Aufbegehren der Landesfürsten innerhalb der Union. Der demografische Wandel. Die Diskussion um eine Transaktionssteuer. Der Streit um die Dauer der Laufzeitverlängerungen von Atomkraftwerken. Merkels Verhältnis zu Sarkozy. Und zu Koch. Und zum DGB. Nicht zu vergessen Ballack und sein gerissenes Innenband, ein durchaus überflüssiges Füllsel, das völlig fehl am Platze war.

Das nichtssagende Gefasel zu Guttenbergs, der es tunlichst vermied, irgendeine Aussage zu den angesprochenen Themen zu machen, die albernen Zitate Beckmanns auf dem Studiobildschirm und die Unfähigkeit Beckmanns, auf interessante Bemerkungen Scholl-Latours einzugehen, machten die Sendung gähnend langweilig.

Zum Beispiel warf Scholl-Latour beim Thema Afghanistan ein, es ginge um ganz andere Dinge dort als das, was der Bundesverteidigungsminister preisgab. Doch das interessierte Beckmann ganz und gar nicht und rief auch bei zu Guttenberg nur herablassende Blicke hervor. Auch die Tatsache, daß Scholl-Latour erst kürzlich wieder in Usbekistan war, lies Beckmann unbeeindruckt. Wäre es nicht aufregend, mehr darüber zu erfahren?

Dirk Müller kam nur beim Thema Börse und Griechenlandhilfe zu Wort, wurde von Beckmann aber in der zweiten Hälfte des Programms gar nicht mehr einbezogen. Warum Scholl-Latour überhaupt eingelanden wurde, blieb unklar, er wurde fast gar nicht befragt und bei seinen Ausführungen meistens unterbrochen, denn Beckmanns Weisheiten waren viel wichtiger.

Eins ist klar: Ich werde diese Sendung nicht mehr sehen. So viel Dilettantismus ist unerträglich. Es reicht nicht, sich mit bekannten Leuten aus Presse und Wirtschaft zu umgeben, wenn der Leiter des Gesprächs so ungebildet und unfähig ist wie Beckmann. Solche Sendungen zu sehen, ist eine Zeitverschwendung, sie tragen nichts zur besseren Kenntnis aktueller Ereignisse bei, während man aufgrund des schlechten Deutschs Beckmanns dazu noch Magenkrämpfe bekommt. Das Fernsehen sollte eigentlich auch eine kulturelle Bereicherung sein, nicht eine Verunglimpfung der Sprache und ein Affront gegen intelligente Menschen, die mehr zu sagen haben als überhebliche Fernsehmoderatoren, bei denen man nicht weiß, wie und warum sie überhaupt solche Sendungen bekommen haben.