Sonntag, 23. Januar 2011

Brot & Butter: Die Schwierigkeit der Rechtfertigung einer Flughafenschließung

Klaus Wowereit macht wieder Reklame: Die Modemesse Bread & Butter fand vom 19.-21.01.2011 in Tempelhof statt.

Die täglichen Unterhaltskosten des geschlossenen Flughafens Tempelhof betragen über 100.000 Euro.

Anläßlich der aktuell stattgefundenen Modemesse Bread & Butter geriert sich Klaus Wowereit wieder einmal als Reklame-Weltmeister: In Sachen Öffentlichkeitsarbeit kann er es mit jedem Profi aufnehmen.

Unbeeindruckt von der hartnäckigen Kritik der Tempelhof-Freunde, die die Flughafenschließung nach wie vor als eine schwerwiegende Schädigung der regionalen Luftverkehrsinfrastruktur und als Quelle von hohen Verlusten für den Landeshaushalt kritisieren, brennt Klaus Wowereit in diesen Tagen erneut ein PR-Feuerwerk ab.

1. Tempelhof: 2x3 Tage pro Jahr mit der Bread & Butter
Und die Hauptstadtpresse jubelt mit und freut sich über extra Anzeigenumsätze: „Der gedruckten Ausgabe des Tagesspiegels liegt heute eine zwölf Seiten starke Beilage zur Bread & Butter bei, die wir Ihnen, liebe Leserinnen, liebe Leser, hiermit gern ans Herz legen“, hieß es im Tagesspiegel vom 20.01.11. Und da in Berlin fast nichts ohne den Senat läuft, jubelt scheinbar die ganze Stadt.

Stillstand in Tempelhof, weiter ansteigende Schließungskosten? Aber nein, Klaus Wowereit hat doch die Bread & Butter nach Tempelhof geholt. Zwar nur für 2 x 3 Tage im Jahr, aber das dann gleich für die nächsten 10 Jahre. Und ist nicht geradezu der Eindruck entstanden, daß Tempelhof der natürliche Standort der B & B ist?

Unseren Lesern wollen wir aber trotz alledem Fakten bzw. die nackten Zahlen ans Herz legen:

Der geschlossene (!) Flughafen Tempelhof erfordert pro Jahr Unterhaltskosten von mindestens 20 Mio. Euro, sprich 1,7 Mio. Euro pro Monat. Für die seit dem 01.01.11 amtierende Tempelhof Projekt GmbH, unter dem Geschäftsführer der Adlershof Projekt GmbH, Gerhard W. Steindorf, werden „Unterhaltskosten“ von ca. 16,7 Mio. Euro pro Jahr, also monatlich ca. 1,39 Mio. Euro, benötigt.

2. Tempelhof: 359 Tage im Jahr ohne die Bread & Butter
Insgesamt ergibt sich folglich ein monatlicher Bedarf von 3,09 Mio. Euro, also ein täglicher (!) Finanzbedarf von ca. 100 548 Euro für den Flughafen Tempelhof. Diverse Investitionen und Zusatzleistungen sind hier noch nicht mit eingerechnet.

Da andere Einnahmen größeren Ausmaßes nicht bekannt sind, muß der Wowereit-Spezi und Geschäftsführer der B&B, Karl-Heinz Müller, aber an den 6 Ausstellungstagen pro Jahr satte Umsätze machen, um dem Land Berlin die dringend benötigten Einnahmen für den Unterhalt des gesamten Flughafenobjekts zu ermöglichen, ansonsten wäre der geschlossene Flughafen Tempelhof eine immense Verlustquelle für den Landeshaushalt. Man hört aber, daß eine B&B dem Land nur 1 (!) Mio. Euro einbringt, wobei unklar ist, ob die überhaupt schon einmal tatsächlich gezahlt wurden. Mußte dafür der Flughafen Tempelhof geopfert werden?

Was sagten doch die Berliner Grünen? Sie bescheinigten dem Berliner Senat und damit Klaus Wowereit, daß er haushaltsrelevante Beschlüsse „ohne Substanz“ fassen und Planungen, wie z. B. den Neubau der Zentral- und Landesbibliothek Berlins in Tempelhof, vorantreiben würde, ohne eine Finanzierung zu benennen (Welt Kompakt 13.01.11).

Ob der Regierende Bürgermeister die explodierenden Kosten in Tempelhof mit noch mehr Reklame verdecken wird, ist offen. Hier würden wohl nur noch Klarheit und Wahrheit helfen, die allerdings von einem Klaus Wowereit nicht zu erwarten sind.

Der Fehler der Flughafenschließung muß zudem benannt und beseitigt werden, ansonsten wird die teure Nachnutzungssimulation weitergehen.


…und nicht das Tempelhof-Buch vergessen:

Autorenlesung:

Auf Einladung des Aktionsbündnisses be-4-Tempelhof.de liest Wolfgang Przewieslik aus dem Buch "Der Fall (von) Tempelhof".

Datum: Mittwoch, den 26.01.2011, von 18.30 Uhr bis ca. 21.00 Uhr.

Es wird um eine umgehende und verbindliche Anmeldung unter thf.4.ever@googlemail.com gebeten.

Ort: D-catering Casino , Flughafen Tempelhof, Bauteil K2/Platz der Luftbrücke, Eingang links neben der Passagierhalle.


„Zwei Jahre nach der Schließung des Berliner City-Airports arbeitet das Buch mit dem doppelsinnigen Titel auf sehr spezielle Weise dessen Ende auf ... das Buch endet nicht mit der Schließung, sondern es verfolgt die Entwicklung weiter bis zu der heute Millionen-Verluste einbringenden Wiese, die der Berliner Senat einen „Park“ nennt.“ FLIEGERREVUE 12-2010

Text und Photos: © Das Thema Tempelhof e.V. 2010: Direkte und indirekte Textzitate sind nur mit einer vollständigen Quellenangabe zulässig.

Der Newsletter „Das Thema Tempelhof“ - die Fachinformation zum Flughafen Tempelhof und zum Flughafensystem der Region Berlin-Brandenburg, wird herausgegeben vom Verein „Das Thema Tempelhof e.V.“

Pressekontakt:
Wolfgang Przewieslik, 0176-223 550 70, 030-231 30 318, 
wolfgang.przewieslik@das-thema-tempelhof.de



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